NEWS > Unsere NEWS > JF Mittelstandspartner im Unternehmermagazin

JF Mittelstandspartner im Unternehmermagazin

 

>>Artikel als PDF

 

Schuldschein-Darlehen im Mittelstand

Renaissance eines Klassikers

Schuldschein-Darlehen (SSD) gibt es seit über 100 Jahren. Allerdings wurden sie erst vor einigen Jahren wiederentdeckt. 2015 und zum Halbjahr 2016 stieg das Volumen nun stark an. In diesem Zusammenhang ist interessant, welche Vorteile sich gegenüber syndizierten Krediten (Konsortialkrediten) ergeben. Die Renaissance des Instruments drückt sich in beachtlichen Zahlen aus: Während 2007 in 40 Transaktionen nur ein Gesamtvolumen von rund 5 Mrd. Euro platziert wurde, waren es 2015 in 104 Transaktionen knapp 19 Mrd. Euro. Zum Halbjahr 2016 wurden 53 Transaktionen mit über 13,5 Mrd. Euro verzeichnet. Dabei wird die durchschnittliche Darlehenssumme seit 2015 durch Großemissionen von Konzernen verfälscht. Der Mittelstand liegt meist im zweistelligen sowie im niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Bereich.

Das SSD bietet Familienunternehmen eine attraktive, weitere Finanzierungsoption: Es besteht aus einem schlanken und in der Regel deutschen Kreditvertrag mit kurzer Umsetzungszeit, ergänzt um derzeit sehr günstige Konditionen, die mit sehr langen Laufzeiten kombiniert werden können. Vor diesem Hintergrund sind Schuldschein-Darlehen im Gegensatz zu Konsortialkrediten bilaterale Kreditverträge. Ein Unterschied besteht in der Inanspruchnahme: Das SSD wird komplett ausbezahlt und bietet sich daher für Finanzierungen an, die in der ganzen Laufzeit benötigt werden. Demgegen- über wird bei Konsortialkrediten speziell für die Betriebsmittelfinanzierung regelmäßig eine »Revolving Credit Facility« (RCF) vereinbart. Diese Merkmale führen häufig dazu, dass sich Unternehmen nicht zwischen den Instrumenten entscheiden, sondern beide Varianten kombinieren. Insofern beruht ein wesentlicher Teil des Wachstums in den letzten beiden Jahren darauf, dass Konzerne Schuldschein-Darlehen zur Refinanzierung von Akquisitionen eingesetzt haben. Vor ein paar Jahren noch undenkbar, liegt die Refinanzierung von Akquisitionen mit SSD bei sehr guter Bonität inzwischen im Trend. Allein die Transaktionen von ZF Friedrichshafen, Symrise, Mann+Hummel und KUKA machten 2015 rund 4 Mrd. Euro aus.

Bei alledem bleibt die Struktur der Kreditnehmer branchenbezogen uneinheitlich. Auch die Umsatzgröße ist heterogen. Die überwiegende Mehrheit der Emittenten erzielt dreistellige Millionenbeträge. Da ein externesRatingnicht gefordertist, platzierten über 80 % der Schuldner ihre Papiere ohne eine solche kostspielige Bewertung.

Aufgrund der soliden Schuldnerstruktur konnten die Marktteilnehmer zuletzt bessere Laufzeiten erreichen. Während bis vor kurzem noch drei bis fünf Jahre üblich waren,waren 2015 bereits sieben und zehn Jahre zu beobachten, in Einzelfällen waren es sogar zwölf.

Zudem haben viele Unternehmen ihre Finanzierung durch Diversifizierung ihrer Kapitalgeber krisensicherer gemacht. Emittenten eines SSD können institutionelle Anleger ohne Weiteres einbinden. Gute Anlagen sind von Pensionsfonds und Versicherungen gesucht. Das geht so weit, dass 2015 bereits fast ein Drittel der Investoren aus dem Ausland kam. Zugleich sind Unternehmen gut beraten, die Risiken bei der Auswahl ihrer Partner zu prüfen. Die heutigen Laufzeiten begründen eine langfristige Zusammenarbeit. Da SchuldscheinDarlehen bilaterale Kreditverträge sind, kann jeder Gläubiger seinen Betrag kündigen,wenn er die vereinbartenBedingungenals nicht eingehalten deklariert.Um dies zu verhindern, unterbindet eine »Maturity«-Klausel Kündigungen bei Konsortialkrediten, sofern die Gläubiger keine Mehrheit von zwei Dritteln der Kreditsumme erreichen.