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Alternative Finanzierungsformen sind derzeit vielfältig möglich – welche sind lohnenswert und passend für Mittelständler ?

Bereits vor der Finanzkrise wurde viel über alternative Finanzierungsformen gesprochen. Die Anforderungen an die Unternehmensfinanzierung wurden zunehmend komplexer und die Unternehmen wollten nicht mit den klassischen Krediten - teilweise sehr abhängig - finanziert bleiben. In dieser Zeit bezogen sich die Alternativen jedoch häufig auf Leasingvarianten, Factoring oder ähnliche gängige Möglichkeiten.
Hingegen hat jedes Unternehmen im heutigen Finanzmarkt eine überaus umfangreiche Auswahl, die sich nicht nur über die Produkte, sondern mittlerweile auch über alternative Kreditgeber erstreckt.

Die Banken haben den Mittelstand wieder entdeckt und sind bereit Fremdfinanzierungen zu kundenorientierten Konditionen bereit zu stellen. Gleichzeitig ist es für mittelständische Unternehmen heute leichter, moderne, kapitalmarktnahe Finanzierungsformen zu nutzen. So reduzierten sich die Mindestgrößen für eine ABS-Transaktion (Asset Backed Securities), ein Schuldscheindarlehen oder eine Mittelstandsanleihe über die letzten Jahre jeweils auf niedrigere und damit praktikable Beträge. Die damit verbundenen Einmalkosten haben sich durch die breitere Nutzung in einem günstigeren Rahmen eingependelt. 

Doch auch alle anderen Finanzierungsalternativen zum klassischen Bankkredit konnten in den vergangenen Jahren hohes Wachstum verzeichnen. Trotz des freundlichen Marktumfeldes bei der Kreditvergabe stieg das Factoringvolumen in 2014 auf knapp 190 Mrd. EUR, nachdem es 2004 noch weniger als EUR 50 Mrd. betragen hatte. Die Anzahl der Kunden hat sich in den letzten 5 Jahren mehr als verdoppelt. Ebenso konnte die Leasingbranche im letzten Jahr um 6% zulegen und finanziert heute in Deutschland rd. EUR 50 Mrd. der Investitionen über Leasingverträge.

Ergänzend zu den genannten Finanzierungsmöglichkeiten, die in der Regel von Banken arrangiert oder im Bank-Konzern angeboten werden, kommen derzeit noch weitere Anbieter als Fremdkapitalgeber hinzu. Viele Sondervermögen (Kassenärztliche Vereinigungen, Pensionskassen usw.) suchen attraktive Anlagemöglichkeiten. Nachdem seit längerer Zeit die herkömmlichen Anlagemöglichkeiten sehr niedrig bis gar nicht verzinst werden, sind diese bereit in überschaubare Unternehmensrisiken etwa mittels Schuldscheindarlehen zu investieren.

Weitere Kreditgeber sind die sogenannten Debt Fonds, die im deutschen Mittelstand ebenfalls als Fremdkapitalgeber auftreten. Sie investieren Fondsvermögen, dem in der Regel dreistellige Mio.-Beträge zur Verfügung stehen. Anfänglich wurden diese Kreditvergaben bevorzugt in Restrukturierungs-Phasen von Unternehmen investiert. Mittlerweile gibt es aber auch separate Fonds, die Wachstumsfinanzierungen vergeben. Die Konditionen liegen zwar üblicherweise oberhalb der marktüblichen Bankenfinanzierung, dafür begleiten sie in Überbrückungsphasen auch deutlich höhere Verschuldungsgrade. Gegebenenfalls erforderliche Nachrangmittel werden innerhalb sogenannter Unitranchen (Kredittranche mit vorrangigen und nachrangigen Teilbeträgen in einer Gesamttranche) zur Verfügung gestellt. Somit relativiert sich der „Mischzins“ aus dem Zinssatz für das Nachrangkapital, der i.d.R. deutlich zweistellig ist, und der niedrigen Verzinsung der Seniortranche, die wiederum den höheren Anteil ausmacht.

Unser Fazit lautet, dass selbst in einem unternehmensfreundlichen Bankenmarkt die alternativen Finanzierungsmöglichkeiten reichlich zur Verfügung stehen und vermehrt genutzt werden. Insgesamt ist der Markt dadurch ein wenig unübersichtlicher und die einzelnen Instrumente viel komplexer geworden. Doch wer sich dieser Herausforderung stellt, kann innovative und für ihn sehr gut passende Finanzierungsmöglichkeiten umsetzen.